Humboldt County to Fort Bragg

California is calling! Wir verlassen Humboldt County und fahren den 101 weiter südlich. Nach San Francisco, dem Ziel unserer diesjährigen Tour, ist es nicht mehr weit - gerade einmal 299 Miles. Unsere heutige Etappe führt uns jedoch zunächst einmal nach Fort Bragg, einem kleinen Örtchen, gebaut im Western Stil.

Auf unserer 3-stündigen Fahrt bemerken wir immer eindeutiger, dass wir in Kalifornien sind. Die Wälder, immer noch von Redwoods dominiert, verändern sich. Es ist vor allem die Bodenvegetation die weniger dicht und üppig ist. Farne gibt es nicht mehr. Da, wo die Wälder weniger dicht sind, typische, vom Sommer vertrocknete Wiesen. Auch das Gestein der Berge verändert sich, es wirkt mehr wie Basalt. Es gibt die typischen, ebenfalls im Sommer ausgetrockneten Flüsse, deren Breite jedoch erahnen lässt, welche Wassermassen im Frühjahr in Richtung Pazifik fließen.

Wir finden einen kleinen Fluß, welcher noch reichlich klares Wasser führt. Es ist gar nicht so kühl und Paul beschließt kurzerhand, die willkommene Erfrischung zum Schwimmen zu nutzen. Nach der kleinen Pause zweigt unsere Route vom 101 ab und schlängelt sich entlang des Highway Number 1. Wir erreichen Fort Bragg am Nachmittag. Hatten wir am Vormittag wärmende Sonne und wirklich sommerliche Temperaturen, verspüren wir in Fort Bragg die frische Brise des Pazifiks. Es scheint, dass die Stürme über Hawaii kühle, pazifische Lufmassen vorantreiben und zumindest küstennah die Strömungen warmer kalifornischer Inlandsluft zurückdrängen.

Fort Bragg selbst hat keine gigantischen Sehenswürdigkeiten. Eine Umweltschande aus den frühen 50iger Jahren macht Abschnitte des heutigen Strandes zu etwas Besonderem - Glass Beach. Einst wurde städtischer Müll einfach im Meer verklappt. Den tausenden von Glasflaschen nahm sich der Pazifik an, brach das Glas und schliff es durch die unermüdlichen Wellenbewegungen zu kleinen, runden Glassteinen. Im Sonnenlicht soll der Strand fantastisch glitzern. Prüfen konnten wir das heute nicht. Mal schauen, ob morgen früh die Sonne scheint.

Eureka und Samoa Island

Etwas verspätet, bin ich noch meinen gestrigen Blog-Beitrag schuldig. Wir verbringen einen 2. fahrt-freien Tag und nutzen die Gelegenheit in den selbigen hinein zu leben. Wie schon am Vortag starten wir gemütlich, schlafen länger, frühstücken ausgiebig. Mein Sohn Paul hat sich die Mühe gemacht und verwöhnt uns mit leckeren Avocado Toasties.😋

Humbold County, benannt nach Alexander von Humbold, welcher selbst niemals vor Ort gewesen ist, hat neben Arcata noch eine weitere kleine Stadt, welche wir heute besuchen. Eureka entstand in der Zeit der Goldsucher. Nachdem der Goldrauch beendet war, lebte die Stadt lange Zeit von der Holzindustrie. Eurekas Hafen war einer der zentralen Holzverschiffungshäfen an der Nordpazifikküste. Diese Zeiten sind lang vorbei. Heute lebt Eureka vom Tourismus und wiederum von Pensionären aus Nordkalifornien. Die Stadt hat noch einen recht guten Bestand an Häusern aus der Jahrhundertwende und lädt mit einigen Mode- und Kunstboutiquen zum Schlendern ein. 

Am Nachmittag lässt sich seit langem die Sonne wieder blicken. Es wird richtig schön warm und wir beschließen, uns in die Dünen auf Samoa Island zum Sonnen und Strandln zurückzuziehen. Den so schönen ruhigen Tag lassen wir mit einem leckeren Essen im Fischrestaurant „Salt“ in Arcata ausklingen.

Portland, OR

Die gestrige Tag war eindrucksvoll, die Fahrt nach Portland lang, was den Zwischenstopps im Olympic National Park geschuldet war.  Der Morgen in Portland beginnt "in da hood". Wir wohnen in einem über airbnb angemieteten Haus. Die Gegend ist nett, so wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Wir holen uns einen Kaffee und Sandhexen (Sandwiches) in der Crocery von neben an, dann geht es los in Richtung Downtown.

Portland präsentiert sich aufgeräumter und sauberer wie Seattle. Es lungern kaum Obdachlose herum und es riecht nicht nach Urin - nicht einmal. An Samstagen bietet Portland entlang der Waterfront einen Künstlermarkt. Von hier aus starten wir die Erkundung der Stadt. Auffällig ist, dass es in Downtown Portland kein wirklich zusammenhängendes Viertel mit netten Geschäften und Straßencafès gibt. Obwohl für US Verhältnisse recht klein und kompakt, wirkt die Innenstadt etwas zerrissen. Es gibt den Pearl District, alte Lagerhäuser in neuem Chique beherbergen hippe Läden, Restaurants und Cafés. Einige Blocks weiter Pioneer Place - eher klassisch, mit Courthouse und den bekannten Markenboutiquen wie in jeder Großstadt.

Wir nehmen die Straßenbahn, fahren nach NOB HILL, hier endlich mal eine Straße mit Charakter. Kleinen Boutiquen, Cafés und Coffee Shops. Ja, in Portland darf ganz legal Cannabis konsumiert werden - das riecht man auch an jeder Ecke. Und wo wir schon dabei sind - dementsprechend gestaltet sich die Bevölkerung. Es gibt jede Menge Freaks, Nerds, eine sichtbare LGBT Szene und Hipster. Hierfür und für ihre Radfahrer ist die Stadt in den USA auch bekannt. Ansonsten fallen uns im Gegensatz zu Seattle wieder Familien mit Kindern auf.

Nach dem Bummel durch NOB HILL gönnen wir uns ein wenig Ruhe im Washington Park oberhalb der Stadt. Auf kurz geschnittenem Gras schlummere ich ein wenig unter den Cypressen ein - werde aber jäh aus meinem Nachmittagsschläfchen geweckt - Wespenstich (!) - autsch. Wir nehmen den Bus zurück nach Downtown, laufen zurück ins Parkhaus und fahren in unsere Neighborhood.

Den frühen Abend verbringen wir im ALBERTA ARTS DISTICT. Der Name ist Programm. Es riecht, nein es stinkt nach Pott, das Klientel wirkt leicht schmuddelig und ungepflegt (ist es aber nicht, dass ist hier so) und die Restaurants des Viertels wirken entweder extrem teuer oder verbreiten das Flair einer Schulhofkantine. Dementsprechend schwankt die angebotene Küche von eurasisch bis mexikanisch. Uns zieht es in ein Brauhaus mit amerikanischer Küche.

Brauhäuser gibt es in Portland einige. Die Bevölkerung möchte sich mit allem was geht vom Mainstream absetzen und braut in Micro- und Nanobreweries eigenes Bier. Bloß nicht kommerziell, bloß kein Mainstream. 🙄 Übrigens, das Geld für das hippe Non-Mainstreamleben wird bei Nike und Intel verdient, beide haben ihre Headquarter in Portland und gehören zu den Top-Arbeitgebern.

In Europa wird Portland, wie auch Seattle gehypt. Seattle ist in meinen Augen bereits durchgefallen. Portland fällt nicht durch, bekommt aber von mir ein "muss man nicht zwingend gesehen haben". Freaks, Künstler und Hippies gibt es in vielen Stadtvierteln amerikanischer Großstädte - auch nichts wirklich besonderes. Bleibt Pott rauchen, eine Stadt, die Radwege und eine sichtbare LGBT Szene hat. Ansonsten hat die Stadt mit den Steuereinnahmen aus meiner Sicht wenig gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur und die Gebäude der Stadt sind im unteren Durchschnitt der bisher gesehenen US Städte. Es fehlt an städtebaulichem Einfallsreichtum und einer Vision für die Zukunft.

Olympic National Park

Der Morgen in Forks startet ziemlich unterkühlt - nicht unsere Stimmung - die Temperatur. Übrigens, ich hatte gestern gar nicht erwähnt, dass Forks, WA seit den Twilight Büchern einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichen hat. Die Saga spielt in Forks, sowohl was die Schauplätze in den Büchern betrifft, als auch in den gleichnamigen Hollywood Filmen. Für den kleinen Ort war "ein kleines Konjunkturpaket", Zitat Bürgermeister der Stadt.

Bevor wir uns heute von der Olympic Halbinsel verabschieden und nach Portland, OR fahren, widmen wir uns noch einmal zwei faszinierend schönen Ausschnitten des Olympic National Parks. Wir beginnen im Hoh Rain Forest. Bereits gestern, mit der Ankunft in Forks haben wir bemerkt, dass die westliche, dem Pazifik voll zugewandten Seite der Halbinsel, sehr viel kühler aber auch feuchter ist. Die Natur wirkt längst nicht so von der Hitze der letzten Wochen ausgezehrt.

Auf der Fahrt tiefer in die Wälder verstärkt sich der Eindruck in einen unberührten Urwald zu fahren. Die Straße schlängelt sich entlang des Hoh River. Paul und ich spekulieren, ob wir hier wohl Lachse fangen würden. Die gibt es hier in jedem Fall und nicht nur Angler auf zwei Beinen. Vor Bären wird gewarnt bzw. der richtige Umgang bei einer Begegnung geschildert. Während ich aus dem Fenster starre, summt in meinem Kopf die Titelmelodie aus Brokeback Mountain.

Die Straße endet nach 15 Miles. Wir gehen zu Fuß weiter,  tiefer in den Hoh Rain Forest. Meine Bilder können, wenn überhaupt, nur einen kleinen Eindruck vermitteln. Der Wald wirkt auf mich wie einer der Urwälder aus meinem Geographie Schulbuch - ein Wald aus längst vergangener Zeit. Gigantisch hohe Bäume - Douglasien, Riesenlebensbäume, Oregon Ahorn und Sitkafichten ragen weit in den Himmel. Der Boden und die Bäume sind dicht bewachsen und behangen mit Moosen. Wir laufen durch mannshohe Farne. Alles bleibt wie es ist: Kein Mensch mischt sich in die Geschicke der Natur ein - Bäume wachsen, stürzten zu Boden, vergehen und sind Grundlage für Neues.

Langsam bricht auch die Sonne hinter dem Hochnebel hervor, verdrängt die Wolken, die Strahlen wärmen und verzaubern den Wald. Wir müssen weiter, fahren zurück auf den Highway 101 in Richtung Süden. Nach ca. 30 Minuten Fahrt sind wir wieder am Pazifik. Es bietet sich erneut ein Anblick zum Staunen: Ruby Beach. Große Mengen an Driftwood liegen am Strand. Die Ebbe lässt den Strand noch tiefer und breiter erscheinen. Wir können bis zu einigen der Felseninseln laufen. Vor wenigen Minuten hatten wir noch Waldduft in der Nase, nun ist es wieder frische, salzige Meeresluft.

Es zieht uns weiter. Der 101 bringt uns bis nach Aberdeen. Der Ort hat seine besten Zeiten schon einige Jahrzehnte - bald ein Jahrhundert - hinter sich. Fischfang und Holzwirtschaft sind nicht mehr einträglich und für recht viel mehr hat es bisher noch nicht gereicht.

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Umso erstaunter sind wir, dass wir in dem gottverlassenen Nest eine kleine Perle der Gastfreundschaft finden. The Jitter House ist ein kleines Café welches tatsächlich richtig guten italienischen Kaffee und köstliche Sandwiches zaubert. Gottverlassen ist es überhaupt nicht - der Inhaber ist bibelfest und offensichtlich sehr gläubig. Im Lokal stehen einige Pokale von Bibel Rezitierwettbewerben, nebst diversen Devotionalien und Bibelsprüchen an der Wand. Das Türschild verbindet Patriotismus und Glaube. 

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Von Port Angeles nach Forks - Olympic National Park

Der heutige Tag bringt uns nur 70 Miles weiter, bereichert uns aber um fantastische Eindrücke. Wir fahren von Port Angeles, WA nach Forks, WA und befinden uns im Olympic National Park, in Mitten der Olympic Halbinsel, eingerahmt vom Pazifischen Ozean.

Dieser US Nationalpark ist weniger bekannt aber nicht weniger interessant. Das faszinierende sind die unterschiedlichen Landschaften. Von der Alpinen Hurricane Ridge über tiefe, unberührte Urwälder, bis hin zur rauen zerklüfteten Nordpazifikküste. Alles in einem National Park.

Den Vormittag verbringen wir auf knapp 1.700m Höhe, wandern ein wenig entlang der Hurricane Ridge. Unsere Fahrt bringt uns, wie schon beschrieben durch urige und üppig, grün tiefe Wälder nach Forks. Wir lassen unser Reisegepäck rasch im Motel und machen uns auf den Weg an die Pazifikküste. Hat es heute Morgen nach Pinienwäldern gerochen, haben wir nun den frischen, salzig-fischigen Duft der Küste in der Nase.

Die Küste und ihre Strände sind rau, zerklüftet - Felseninseln, teilweise bewaldet, ragen heraus. Das Wasser sehr kühl und stark salzig. Wir befinden uns in dem kleinen Fischerdorf "La Push". Es beherbergt 350 indianische Seelen vom Stamm der Quileute. Eine kleine Marina, mit aktiven Fischerbooten und ein noch kleineres (leckeres) Fischrestaurant - das wars.

Es ist herrlich bereichernd hier gewesen zu sein!

Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.

Seattle, WA - Tag 2

Der 2. Tag steht auf dem Plan und mit ihm ein Blick ins Detail. Ich habe mir vorgenommen unvoreingenommen, den gestrigen Eindruck hintenanstellend, noch einmal von vorn mit der Stadt Kontakt aufzunehmen.

Im Grunde hat die Stadt ihren Namen dem Häuptling Sealth zu verdanken. Er begrüßte 1851 die ersten Siedler unter Führung von Arthur Denny in der Region. Die Denny Party ließ sich am heutigen Pioneer Square nieder und gilt als Begründer der Stadt Seattle.

Der kleine Platz wirkt unscheinbar, ein indianischer Totempfahl steht in der Mitte, ihm gegenüber das älteste Gebäude der Stadt. Die Hochzeit der damals rasch wachsenden und aufblühenden Stadt startete im 19 Jh. zunächst mit dem Holzhandel und dem Anschluss an die Northern Pacific Eisenbahn, dann mit dem Goldrausch am Klondike. 

Wir wenden uns vom Pioneer Square in Richtung 4. Ave, vorbei am J.C. Smith Tower. Der Schreibmaschinenmagnat ließ selbigen erbauen, erlebte jedoch dessen Eröffnung nicht mehr. Es war der erste Wolkenkratzer der Stadt Seattle. Entlang der 4. Ave reihen sich das Columbia Center, die City Hall und die Central Library. Die Gebäude der Straße stammen weitgehend aus den 80iger bis frühen 2000er Jahren.

Um die Mittagszeit herum legen wir am Pike Place Market eine Pause ein und genießen das warme, sonnige Wetter. Ich träume ein wenig vor mich hin, kann architektonisch aber auch der Stimmung in der Stadt nichts abgewinnen. Die Straßen in Downtown sind, man kann es nicht anders sagen, versifft. Aber so etwas von versifft, wie ich es in keiner Klein- oder Großstadt, geschweige denn Metropole, in den USA bisher erlebt habe.

Vom Pike Place Market aus machen wir uns auf in Richtung Capitol Hill. Das von der LGBT Szene dominierte Viertel soll entlang des Broadways mit reichlich ausgefallenen Läden und Cafés seinen ganz eigenen Charme versprühen. Die Straßenbahn bringt uns den Hügel hinauf. Erster Eindruck - es ist wirkt etwas sauberer und sortierter, die Szene ist unaufdringlich sichtbar. Wir laufen entlang des Broadways, vorbei am Swedish Hospital Komplex. Einen besonderen Charme kann ich nicht verspüren, Cafés gibt es keine außergewöhnlichen und auch sonst wirkt Capitol Hill mit seiner LGBT Szene sehr ausgereift und im Zustand "ganz normal" angekommen - ist ja auch gut so.

Die Straßenbahn bringt uns in Richtung International District - ein Komplex aus China- und Japanese Town, welchen wir bereits beim Durchfahren mit der Straßenbahn erfasst haben - schade. ( Ist jedoch schwer, wenn man die Chinatown in San Francisco und New York kennt, von dem was Seattle bietet, beeindruckt zu sein.) Wir schließen den Nachmittag an der Waterfront ab und fahren am späten Nachmittag zurück in Richtung Columbia City und unserem Airbnb Baumhaus.

Nein, die Stadt macht mich nicht an - im Gegenteil: ich ekel mich vor ihr. Obdachlose soweit das Auge blicken kann, offenkundig hat die Stadt bzw. der Großraum ein Problem. Mit Weltkonzernen, wie Starbucks, Microsoft und Amazon als Arbeitgeber dürfte es derartige Auswüchse von Armut nicht geben.

Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer, die Konzerne sind Magneten für gut ausgebildete Fachkräfte, Wohnraum wird knapp und wer bereits am Rande der Existenz lebte, für den gibt es keinen Platz mehr. Habe ich gestern noch ein lobendes Wort für die Gates Foundation und das Allen Institute verloren, frage ich mich heute, warum die Verantwortung für die Gesellschaft immer nur in der Ferne gesucht werden muss...

Schlaflos in Seattle sind mittlerweile vielen Menschen, nicht aus Liebe, sondern vor Kummer und Sorge um Ihre Habe. Da kann die Stadt noch so politisch grün - demokratisch und tolerant sein, für mich wirkt es aufgesetzt und arrogant. Im übrigen kommt die Bevölkerung der Stadt auch so rüber - noch nie habe ich mich in den USA in einer Stadt so unwohl gefühlt.

Seattle, WA - Tag 1

Der diesjährige Road Trip führt uns entlang des North Pacific Coast Highway 101 von Seattle nach San Francisco. Zum Auftakt der Tour stehen 3 Tage Seattle in unserem Tourenplan.

Die Zeitverschiebung verlangt mal wieder ihren Tribut und so ist es erst 5:00 Uhr morgens als unsere Augen einfach nicht mehr geschlossen bleiben wollen. Wir erwachen in unserem Baumhaus - es ist kein klassisches aber dank der riesigen Pinie im Vorgarten und der Tatsache, dass wir im ausgebauten Dachgeschoß eines netten kleinen Vorstadthauses erwachen, lässt es den Eindruck zu tatsächlich in einem solchen geschlafen zu haben.

Noch ein wenig im Bett hin und her gewälzt und irgendwie doch noch bis 7:00 Uhr liegengeblieben, startet der Sonntag dennoch recht früh. Bereits um 8:00 Uhr sitzen wir in einem gut gefüllten Café in der Rainier Ave in Mitten von Columbia, einer kleinen Vorstadt von Seattle.

Gut gestärkt geht es dann in Richtung Downtown. Wir parken unser Auto in einem der Großraum Parkhäuser und laufen noch etwas benommen durch die Straßen, Downtown Seattle. Der Wetterbericht hat warmes Sommerwetter versprochen. Dieses, so bemerken wir, startet jedoch erst am Mittag. Es ist ziemlich frisch im sonntagmorgentlichen Seattle. Unser Weg führt uns zum Public Market an der Waterfront. Ein netter Streetmarket mit üppigen Blumen- und Obstständen und jeder Menge frischem Fisch. Wir durchqueren den Markt, laufen entlang der Waterfront und zurück hoch in die Häuserschluchten von Downtown.

Bei mir will der Funke nicht so recht überspringen. Sowohl der Public Market als die Waterfront können mit den vergleichbaren Szenarien in San Francisco nicht mithalten und auch Downtown setzt nur in einem Maßstäbe - jeder Menge Obdachloser und an vielen Ecken dem Geruch von altem Urin. Ich geb mir einen Ruck und versuche der Stadt ihre Chance zu geben. Immerhin haben wir eine Segway Tour gebucht und vielleicht zeigt uns der Guide, dass die Stadt auch ganz andere Ecken zu bieten hat.

Mit der Monorail geht es von der Westlake Center Mall Station zur Seattle Center Station. Die Monorail, wie auch das gesamte Areal der Seattle Center Station, inklusive dem Wahrzeichen Seattles, der Space Needle, stammen aus der  Zeit von 1962 und wurden anlässlich der Weltausstellung gebaut. Obwohl schon sehr alt, verbreiten die Monorail, als auch Seattle Center einen besonderen Charme. Ich fühle den futuristischen Aufbruch, den die verschiedenen Gebäude rund um die Seattle Center Station samt Space Needle versprühten. 1962 muss dieses Areal tatsächlich wie eine fantastische Zukunftstadt gewirkt haben.

Unsere Segway Tour startet wenige Blocks entfernt und führt uns durch die Stadtviertel: Lower Queen Anne, Westlake, South Lake Union, mit Blick auf Capitol Hill. Es geht vorbei an der Bill und Melinda Gates Foundation , dem riesigen Areal von Amazon und dem Allen Institute. Beschäftigt man sich mit den beiden dahinterstehenden Initiativen, ist es schön zu sehen, dass nahezu grenzenloser Reichtum auch mit gelebter Verantwortung einhergehen kann. Die Tour führt uns zum Lake Union. Die Promenade entlang des Historischen Museum sowie der Blick auf Capitol Hill zeigen schönere Seiten von Seattle und versöhnen den ersten Eindruck.

Nach der Segway Tour erhalten wir noch den Tipp, zu Fuß zum wenige Blocks entfernten Kerry Park zu laufen und werden mit einem wunderbaren Postkartenblick auf Seattle entschädigt. Kerry Park liegt in Mitten von herrschaftlichen Villen und Apartments für wohlhabende Bürger der Stadt  Seattle. Ein toller Ausblick auf Downtown, die Bay und Richtung Olympic Mountains. Den späten Nachmittag verbringen wir zwischen Downtown und First Hill, u.a. in der Kaffeerösterei von Starbucks. Der Konzern hat im übrigen hier in Seattle seinen Ursprung. Dies gilt auch für Amazon und Microsoft.

Für Tag zwei steht ein Blick ins Detail auf dem Plan - wir möchten tiefer in die Stadtviertel ein- und vordringen. 

Von Santa Fe, NM nach Gallup, NM

Der heutige Tag wird uns nach Gallup, NM bringen, doch zunächst statten wir Santa Fe noch einen Besuch ab. Die Geschichte von Santa Fe ist alt und wird durch zwei Kulturströme beeinflusst. Zum einen die der Navajo Indianer, zum anderen die der spanischen Eroberer. Der vorherrschende Baustil entspricht der Pueblo Kultur - erdfarbene Lehmbauten mit abgerundeten Häuserfassaden. Im Stadtkern lässt es sich kurzweilig durch die Straßen spazieren und an den Schaufenstern der Kunst- und Schmuckgeschäfte verweilen.

Unübersehbar ist heute Vormittag eine andere Stimmung - das Licht unterscheidet sich, es ist irgendwie nicht ganz so hell. Richtig, wir haben den 21. August 2017 - Tag der Total Eclipse. Wir verlassen Santa Fe in Richtung Albuquerque und stoppen gegen 11:35 Uhr am Rand des Interstate 25. Es sind noch knapp 11 Minuten bis zur für uns vollständigen Ausprägung der Sonnenfinsternis. 87% Überdeckung wird diese hier in New Mexico annehmen - es ist schummrig grau und merklich kühler. Mit uns schauen auch ein paar Eclipsesüchtige. Die Sonne kehrt langsam zurück und mit ihr machen wir uns auf den weiteren Weg.

Zirka 45 Minuten vor Gallup machen wir noch einen 16 Miles Abstecher in die Le Malpais Sandstone Bluffs. Auf wunderschönen Sandsteinformationen blickt man hinab in ein riesiges, jahrmillionenaltes und gigantisch breites Lavafeld. Übrigens, Wissenschaftler halten die vulkanische Aktivität in New Mexico nur für ruhend - nicht für abgeschlossen. Mit tollen Eindrücken von diesem unbekannteren und menschenlehren National Monument machen wir uns auf die Schlussetappe und Ziel unseres heutigen Tages: Gallup.

Gallup, NM ist, vorsichtig formuliert eine ländliche Einöde. Die ehemalige Bergbauregion hinterlässt eine Leere am Arbeitsmarkt und außer der Tatsache, dass hier die Route 66 vorbei führt und ein paar touristische Dollar hängen bleiben, haben es die vorwiegend indianischen Einwohner schwer. Landschaftlich hingegen gibt es auch hier ein Schmankerl, den Red Rock National Park. Eine kleine Abendrunde bleibt uns noch und so genießen wir den Sonnenuntergang bei tollem, warmen Licht und imposanter Natur.

Von Amarillo, TX nach Santa Fe, NM

Nach einem Tag Pause hat uns die Straße zurück und trägt uns auch rasch aus Texas hinaus. Direkt hinter der Stadt Amarillo geht es an der Cadillac Range vorbei.  Selbige gehört seit den 1970iger Jahren zu den Road-Side-Attractions an der Route 66 - mir persönlich haben die in den Boden gestampften Karosserien nicht gefallen. Vielleicht waren es auch die Unmengen an zurückgelassenen Spraydosen... .

Die Route 66 ist auf vielen Miles von dem Interstate 40 überpflastert worden, es warten jedoch einige irre schöne Abschnitte auf den interessierten Highway-Trucker. Zunächst halten wir in Adrian, TX. Der winzig Ort existiert vermutlich nur aus einem Grund - es ist der Midpoint zwischen Chicago und Los Angeles. Kaum zu glauben, dass hier erst die Mitte liegt, haben wir doch schon so viele Stunden und spannende Entdeckungen hinter uns gelassen. Andererseits steigt die Freude, da noch richtig tolle Landschaften und Erlebnisse vor uns liegen.

Nicht weit hinter Adrian erleben wir Wild-Wild West. Die Geisterstadt Glenrino, welche gleichzeitig den Grenzübertritt nach New Mexico bedeutet. Keine Menschenseele - verlassene Häuser und eine Route 66 at its best. Wir fahren für 19 Miles ausschließlich über eine Staubpiste. Rechts und links der staubigen Straße gibt es jede Menge Prärieland. Es gab kein Halten mehr und es überkam mich - ich musste es tun aber seht selbst...

Route 66, 19 Miles beyond Glenrino

Nach diesen verrückten, da Dauerschleife, 19 Miles ging es zurück auf den Interstate und für uns auf eine alte Variante der Route 66, welche über Santa Fe verläuft. Nach und nach verwandelt sich die flache Hochebene und die Bergketten kommen in Sicht. Ganz nebenbei und schon fast unbemerkt, haben wir auch Zeit geschenkt bekommen. Unsere Uhren sind um eine Stunde nach hinten gesprungen.

In Santa Fe angekommen erwischt es uns kalt. Das der Ort auf gut 2.000 m liegt bekommen wir sofort zu spüren. Die Außentemperaturen sind empfindlich kühler, um nicht zu sagen kalt: 73°F Höchsttemperatur. Brrrr. Wir kuscheln uns jetzt in unser warmes Hotel und reiten morgen weiter Richtung Gallup, NM.